Ziersträucher

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                      08. Juni -  Juniriss an Obstbäumen im Garten der Sinne  - Kursleitung Fritz Kissling

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Ziersträucherschnittkurs am 25. April 2009 OGV Lorch

 

Die 5 Schnittgruppen

Haben Sie auch schon einmal mit der Gartenschere vor Ihrer verblühten Forsythie gestanden und nicht so richtig gewusst, wie Sie anfangen sollen zu schneiden? – Der Schnitt von Sträuchern ist gar nicht so schwierig. Wir zeigen Ihnen, wie’s geht.

Viele Sträucher brauchen regelmäßigen Schnitt, um Vitalität und Blütenfülle jahrelang zu erhalten

Bei sehr vielen Sträuchern können Sie mit dem so genannten Pflege- oder Erhaltungsschnitt die Vitalität und Blütenfülle steigern, indem Sie überalterte Äste entfernen und so den kräftigen, jungen Trieben die Möglichkeit geben, deren Plätze einzunehmen. Außerdem kann man viele ungepflegte oder jahrelang falsch geschnittene Sträucher durch einen Verjüngungsschnitt wieder in Form bringen. Dagegen ist es kaum möglich, einen Blütenstrauch dauerhaft klein zu halten oder ihn in eine unnatürliche Wuchsform zu pressen, ohne dass die Blütenpracht nachlässt. Deshalb geben Blütensträucher als geschnittene Hecken oft eher ein armseliges Bild ab. Sie sollten beim Pflegeschnitt immer so vorgehen, dass das natürliche Aussehen erhalten bleibt, also nie alle Äste und Zweige in einer Höhe „abrasieren“.

Man fängt mit den Schnittmaßnahmen im unteren Bereich des Strauchs an und arbeitet sich langsam nach oben vor. So vermeidet man doppelte Arbeit, sprich das Abschneiden dünnerer Zweige, die ohnehin mit dem gesamten Ast entfernt worden wären. Wie viel Schnitt ein Strauch verträgt, hängt im Wesentlichen von seinem Wuchs ab. Alle Gehölze, die im unteren und mittleren Bereich der Hauptäste neue Triebe bilden, sind grundsätzlich schnittverträglich, auch wenn ein Rückschnitt bis ins ältere Holz erfolgt.

Der optimale Schnittzeitpunkt für die meisten Gehölze ist das Frühjahr. Bei Frühlingsblühern wartet man meist bis nach der Blüte – schließlich macht es wenig Sinn, einen Teil der Knospen kurz vor der Blütezeit abzuschneiden. Wenn Sie einen Strauch verjüngen wollen, sollten Sie dies im zeitigen Frühjahr erledigen. So hat die Pflanze bis zum Austrieb noch Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen.

Gehölze teilt man in 5 Schnittgruppen ein:
Schnittgruppe 1
Forsythie, Pfeifenstrauch, Deutzie, Kolkwitzie, Weigelie, Flieder, Zier-Johannisbeere, Spierstrauch und andere Frühlingsblüher
Schnittgruppe 2
Sommerflieder, Sommerheide, Zwerg-Spiersträucher, Hibiskus, Bartblume, Blauraute, Rispen- Hortensie, Buschklee, Johanniskraut, Säckelblume, Fingerstrauch und Buschmalve
Schnittgruppe 3
Rot-, Weiß- und Apfel-Dorn, Zier-Kirsche, Zier-Apfel, Zier-Pflaume
Schnittgruppe 4
Rhododendron und andere Moorbeetpflanzen, immer- und wintergrüne Schneeballarten, Kirschlorbeer, Zwerg-Weiden, Zwerg-Ginster, immergrüne Cotoneaster
Schnittgruppe 5
Goldregen, Zaubernuss, strauchförmige Ahornarten, Magnolie, Felsenbirne

Gehölze

SCHNITTGRUPPE 1

Merkmale: Sommergrüne Sträucher, die von unten oder aus der Mitte immer wieder neue Triebe bilden (Forsythie, Pfeifenstrauch, Deutzie, Kolkwitzie, Weigelie, Flieder, Zier-Johannisbeere, Spierstrauch und andere Frühlingsblüher)

Schnittart und -zeitpunkt: Erhaltungsschnitt alle zwei bis drei Jahre im Frühjahr nach der Blüte. Bei ungepflegten Sträuchern ist ein radikaler Verjüngungsschnitt möglich

Überalterte Triebe entfernen
Die meisten Sträucher der Schnittgruppe 1 vergreisen sehr schnell: Die alten Triebe bilden deutlich weniger Blüten und hängen oft seitlich über. Daher ist es notwendig, bereits zwei bis drei Jahre nach der Pflanzung den ersten Erhaltungsschnitt vorzunehmen und diesen im selben Turnus zu wiederholen. Man entfernt jeweils etwa die Hälfte aller überalterten Triebe direkt über dem Boden. Sie sind an der andersfarbigen Rinde und einer auffällig starken Verzweigung, oft mit zahlreichen Kurztrieben, erkennbar. Ein Großteil dieser Ziergehölze, unter anderem Forsythie oder Spierstrauch, treibt oft auch im mittleren Bereich der alten Äste neu aus. Ein bis zwei der jungen Triebe können Sie stehen lassen und den alten Ast oberhalb ihrer Ansatzstellen entfernen. Kürzen Sie einige der rutenartigen Neutriebe um etwa ein Drittel ein, um die Verzweigung zu fördern.
 

Gehölze

SCHNITTGRUPPE 2

Merkmale: Sommergrüne Sträucher, die im Sommer am neuen Trieb blühen (Sommerflieder, Sommerheide, Zwerg-Spiersträucher, Hibiskus, Bartblume, Blauraute, Rispen- Hortensie, Buschklee, Johanniskraut, Säckelblume, Fingerstrauch und Buschmalve)

Schnittart und –zeitpunkt: Jährlicher, starker Rückschnitt der einjährigen Triebe im zeitigen Frühjahr, bei Bedarf Verjüngungsgungsschnitt bis ins ältere Holz

Starker Rückschnitt der einjährigen Triebe
Der Schnitt dieser Sträucher ist auch für Anfänger recht einfach, da er nur wenig Erfahrung erfordert. Das einjährige Holz wird Jahr für Jahr bis auf kurze Aststummel zurückgeschnitten. So bilden sich bei Pflanzen, die in den Blattachseln neue Blüten bilden wie die Bartblume (Caryopteris), besonders lange, neue Blütentriebe. Bei Sträuchern mit endständigen Blüten wie Sommerflieder (Buddleja davidii) entstehen durch einen scharfen Rückschnitt auffallend große Blütenstände. Wenn die Pflanzen zu dicht werden, kann man sie bis ins ältere Holz zurückschneiden oder einzelne einjährige Triebe ganz entfernen. Tipp: Bei Sträuchern mit eng zusammenliegenden Knospen wie Zwerg-Spierstrauch oder Sommerheide ist auch ein Rückschnitt mit der Heckenschere erlaubt.
 

Gehölze

SCHNITTGRUPPE 3

Merkmale: Mit den Obstgehölzen verwandte, sommergrüne Sträucher (Rot-, Weiß- und Apfel-Dorn, Zier-Kirsche, Zier-Apfel, Zier-Pflaume)

Schnittart und –zeitpunkt: Nach dem Aufbauschnitt an jungen Pflanzen erfolgt im Herbst oder Frühjahr bei Bedarf ein leichter Auslichtungsschnitt. Ein Verjüngungsschnitt ist nicht sinnvoll, da er einen Neuaufbau der Krone erfordert.

Auslichtungsschnitt bei Bedarf
Im Gegensatz zu den Obstgehölzen, die Jahr für Jahr geschnitten werden, um den Fruchtertrag zu optimieren, lässt man die mit ihnen verwandten Ziergehölze ungestört wachsen. Wenn die Kronen zu dicht werden, ist allerdings ein leichter Auslichtungsschnitt sinnvoll. Dies kann besonders bei einigen sparrig wachsenden Zier-Apfelsorten der Fall sein. Man entfernt dann alle nach innen wachsenden Äste und Zweige. So werden unter anderem Rindenverletzungen durch scheuernde Äste vermieden. Sie sind potenzielle Angriffspunkte für zahlreiche Bakterien- und Pilzinfektionen, die diese Gehölze befallen können.
 

Gehölze

SCHNITTGRUPPE 4

Rhododendren und andere Immergrüne entwickeln sich auch ohne Schnitt problemlos

Merkmale: Immer- und wintergrüne Sträucher und Bodendecker, einige sommergrüne Zwerggehölze (Rhododendron und andere Moorbeetpflanzen, immer- und wintergrüne Schneeballarten, Kirschlorbeer, Zwerg-Weiden, Zwerg-Ginster, immergrüne Cotoneaster)

Schnittart und –zeitpunkt: Kein Schnitt, nur Entfernung kranker und erfrorener Triebe im Frühjahr. Verjüngungsschnitt außer bei Cotoneaster möglich.

Hier ist kein Schnitt nötig
Bei den immer- und wintergrünen Laubgehölzen beschränkt sich der Schnitt auf die Beseitigung von Frostschäden. Das heißt aber nicht, dass diese Arten keinen Schnitt vertragen. Ganz im Gegenteil: Längst nicht alle Sträucher sind so schnittverträglich wie die meisten Immergrünen. Nicht zuletzt deshalb sind viele von ihnen beliebte Heckenpflanzen. Selbst ältere Rhododendren, die im unteren Bereich kahl geworden sind, lassen sich bei guter Pflege durch Verjüngungsschnitt neu aufbauen. Ausnahme: immergrüne Cotoneaster. Sie treiben aus altem Holz nur schlecht wieder durch.
 

Gehölze

SCHNITTGRUPPE 5

Viele wertvolle Ziergehölze wie die Felsenbirne vertragen Schnittmaßnahmen nicht besonders gut

Merkmale: Sommergrüne Sträucher, die von unten oder aus der Mitte in der Regel keine neuen Triebe bilden (Goldregen, Zaubernuss, strauchförmige Ahornarten, Magnolie, Felsenbirne)

Schnittart und –zeitpunkt: Kein Erhaltungsschnitt nötig, nur Entfernung kranker und toter Triebe im Frühjahr. Schnitt zur Wuchskorrektur nur bei jungen Pflanzen. Verjüngungsschnitt bei den meisten Arten nicht möglich.

Hände weg!
Alle Sträucher dieser Gruppe entwickeln sich am schönsten ohne Schnitt und nehmen es zum Teil sehr übel, wenn Sie ihnen mit der Schere zu Leibe rücken. Schneidet man bis ins mehrjährige Holz, kann man bei Gehölzen wie der Zaubernuss oder der Magnolie nicht mit einem neuen Austrieb rechnen. Zudem dauert es etliche Jahre, bis die Schnittwunden verheilt sind. Das hängt zum einen mit dem langsamen Wuchs zusammen, zum anderen damit, dass viele der Sträucher ältere Knospen in der Rinde, so genannte „schlafende Augen“, nicht reaktivieren können.