Der
Schnitt von Pfirsichbäumen
Neben Apfel und Zwetschge hat auch der Pfirsich seinen Platz im Hausgarten. Mit
moderner Baumform und einem gezielten Schnitt setzt der Ertrag im zweiten oder
dritten Jahr ein. Voraussetzung allerdings ist ein geeigneter Standort. Bei
Beginn des Austriebs ist eine Bekämpfung der Kräuselkrankheit durchzuführen -
oder besser man verwendet resistente oder resitensarme Sorten.
Der
OGV Lorch verwendet "Kernechter vom Vorgebirge"!
Da der Pfirsich sehr früh blüht und austreibt, darf der Spätfrost keine
Gefahr darstellen. Der Ertrag bei dieser Obstart hängt ganz wesentlich vom
fachgerechten Schnitt ab. Dazu ein Blick auf die Winterknospen: Wir
unterscheiden beim Pfirsich in Form und Zusammensetzung drei Knospenarten am
einjährigen Holz. Kugelförmige oft mit einem weißen Flaum überzogene sind Blütenknospen,
die zu gegebener Zeit blühen, aber nicht fruchten. Am oberen Ende des Triebes
haben sie eine spitze dreieckige Form. Aus ihnen kommen nur Blätter oder
Triebe. Bei sehr gut ernährten und dem Sonnenlicht ausgesetzten einjährigen
Trieben finden wir eine Blatt- und eine oder an beiden Seiten je eine Blütenknospe.
Sie sitzen meist in der Nähe der Triebbasis. Nur aus einer solchen Kombination
können Früchte entstehen. Warum?
Nach der Befruchtung der Blüte sind zur Samenbildung nennenswerte Mengen
Assimilationsprodukte notwendig. Der in unmittelbarer Nähe befindliche Austrieb
produziert diese, und der junge Samenkern zieht sie - vermutlich hormongesteuert
- an sich. Der fehlende Austrieb ließe die junge Frucht verhungern. Aus dieser
Tatsache leiten wir zwei wichtige Erkenntnisse ab: Da diese Knospenkombinationen
nur an sehr kräftigen Ruten vorkommen, muss der Pflanze eine ordentliche Ernährung
zuteil werden. Andererseits benötigen wir viel Licht für die Assimilation.
Daher stark auslichten! Nun zum Pflanzmaterial. Pfirsichbäume werden allgemein
als Einjährige gehandelt, d. h. aus dem Veredlungsauge kommt ein Trieb mit (möglichst)
vielen vorzeitigen Trieben. Dieser Trieb soll über der Veredlung mindestens
einen Daumen dick und eine gesamte Länge von etwa 1,5 m haben. An der Wurzel
wird vor der Pflanzung nur geschnitten, wenn Bruch- oder Quetschstellen
vorhanden sind. Sonst passe man das Pflanzloch der Größe der Wurzel an. Nach
ordentlichem Antreten schneiden wir die untersten 50 bis 60 cm frei. Alle darüber
liegenden Äste werden bis auf ein oder zwei gute Augen zurückgeschnitten. Die
Spitze setzen wir auf einen guten Seitentrieb ab und kürzen auch diesen ein. Es
entsteht ein ungewohntes Bild! Das hat seinen Grund: Der kräftige Rückschnitt
auf wenige gute Augen verursacht einen ebenso kräftigen Austrieb, an dem wir
bereits die oben erwähnten Knospenkombinationen erwarten können.
Spindel
oder Spalier?
Nun
kommt die Entscheidung zur Baumform. In der Mehrzahl wird man sich für einen
Spindelbusch oder, wenn am Haus oder Gerüst gepflanzt wurde, ein Spalier
entscheiden. Folgen wir gedanklich der Spindel. Am neu entstandenen Holz
erkennen wir im unteren Teil mehrere beieinander stehende Blüten- und
Blattknospen. Jeder der Seitentriebe wird unmittelbar über einer solchen
Doppelknospe abgeschnitten. Von unten beginnend sollten die Triebe etwas länger
gelassen werden, nach oben hin wird kürzer geschnitten. So soll der Baum oben
etwas schmaler werden, es soll eine Pyramide entstehen. Triebe, die keine Blüten-Blattknospe
haben, werden auf eine gesunde Blattknospe zurückgeschnitten. Sie treiben dann
im folgenden Jahr wieder kräftig durch. Wenn Blühwetter und Ernährung es
zulassen, dürften die ersten Früchte als Belohnung dieses nicht einfachen
Schnittes zu ernten sein.
In den nächsten Jahren wird man nach dem selben Grundgedanken verfahren, jedoch
kommt hinzu, dass die Spindel wegen des Lichtes nicht zu breit und zu dicht
werden darf. Um das zu erreichen, sollte man bei einer Verzweigung stets nur
einen Trieb stehen lassen und diesen einkürzen. Der Belichtung wegen müssen
gelegentlich auch dickere Äste weichen. Für den Ertrag sind gute Ernährung
und viel Licht entscheidend, Licht auch in Stammnähe, denn dort sollen sich die
Knospen für die Verjüngung der Spindel bilden!
Der
Schnitt junger Pfirsichbäume
Man
schneidet während oder nach der Blüte da man dann die wahren Fruchtknospen
erkennen kann!
Kräftiger
einjähriger Trieb mit drei ‚wahren’ Fruchtknospen, die zur Fruchtbildung
befähigt sind. Eine ‚wahre’ Fruchtknopse besteht aus zwei Blütenknospen
(rechts und links) und in der Mitte eine Triebknospe.
Wenn
Blütenknospen alleine stehen sind dies falsche Fruchtknospen und können keine
Früchte bilden.
Junger
Baum mit schwacher Reaktion auf den Anschnitt nach der Pflanzung.
So
reagieren gute Bäume auf den Pflanzschnitt. Links ein ungeschnittener, rechts
ein geschnittener Baum im Jahr nach der Pflanzung.
Einjähriger
Baum mit reichlichen vorzeitigen Seitentrieben. So sollte Pflanzware aussehen.